Orkus 12/98-01/99

HISTORY : Goethes Erben (Teil 1)



Teil I: Der Traum an die Erinnerung

Es war einmal ein Krankenpfleger in einem Krankenhaus in dem kleinen Ort Schongau. Und es war einmal ein kleines Label namens Danse Macabre... Das dritte Märchen handelt vom Discoclub "Etage". Alle drei Geschichten begannen fast gleichzeitig, doch das ist schon lange her. Vor zehn Jahren gründeten O.H. und P.S. (erst 1993 wurden die Namen in den Credits ausgeschrieben) ein Projekt namens Goethes Erben, um die Idee vom deutschsprachigen Musiktheater zu verwirklichen.

Komischerweise kam O.H. als Keyboarder von Le Coup Sauvage nach Bayreuth, wo gerade das Unternehmen Danse Macabre aus der Taufe gehoben wurde. (Le Coup Sauvage wurde auf dem "German Mystic Sound Sampler II" verewigt). "Zufällig" hatte er eine Demokassette mit der Urversion von "Der Spiegel" dabei. Das Stück gefiel einem gewissen Bruno Kramm sehr gut und so war der Grund- bzw. Grabstein gelegt für eine kurze, intensive Zusammenarbeit.

Zu Danse Macabre gehörten damals im wesentlichen Bruno Kramm, Stefan Ackermann und Oswald Henke. Gemeinsam begannen sie, düstere Musik und kaputte Texte von sich und anderen auf Tpnträger zu verewigen. "Damals habe ich bei der Caritas in Bayreuth meinen Zivildienst geleistet und wir durften in einem Zimmer im Dachgeschoss proben - bis mein Chef mich eines Tages mit der Frage konfrontierte, ob wir dort oben schwarze Messen abhalten würden." (O.H.)

Nebenbei schleppten sie alte Bäume und sackweise Laub in die "Etage" und machten daraus die Danse Macabre Dance Hall. Der kleine Club wurde zur Kultstätte. Noch bis 1994 wurde dort am "Black Saturday" Dark Wave, Gothic, Mittelalter und Neofolk aufgelegt. Aber damals brauchte man diese Begriffe noch gar nicht. Es war auch noch nicht in Mode, an jeder Ecke eine Dark Wave-Party zu veranstalten. Bruno Kramm und Stefan Ackermann bestritten wenig später als "Das Ich" in dem kleinen Ort Schongau ihr erstes Konzert - zusammen mit Goethes Erben - oder war´s umgekehrt ?

In den Danse Macabre-Studios wurden auch die ersten Stücke von Oswald Henke und Peter Seipt aufgenommen - eben auch dieses verflixt legendäre Tape "Der Spiegel, dessen Weg durch stumme Zeugen zum Ende führt".

Und das Ende kam 1990 - Peter Seipt ging seiner Wege und es kam, unabhängig davon, zu den berühmten Differenzen, so dass aus einem Märchen von der Dark Wave-Hochburg Bayreuth plötzlich zwei reale Geschichten wurden, die von Danse Macabre und Das Ich und die von Goethes Erben... nur das mit der Hochburg blieb eine Saga. Das Gerücht hält sich aber hartnäckig... "Bayreuth ist zwar nur halb so gross wie der Westfriedhof von New York, dafür aber doppelt so tot." (G.H.S.)... Was will man mehr...

Woran waren wir noch, ach ja, beim Ende vom Anfang. Das waren noch Zeiten. Den ersten "Pieces d´Etage"-Sampler gab es noch als Vinyl (grosse schwarze Scheibe mit einem Loch in der Mitte und Musik auf zwei Seiten). Umbra et Imago hiessen noch Electric Avantgarde und Catastrophe Ballet spielten noch Gothic Rock. "Wir wandten uns mit Grausen, als wir die ersten Platten auspackten. Schwarz-lila sollte das Cover sein - und es war PINK!!! Trotzdem ist diese Scheibe ein begehrtes Sammlerstück geworden. Glücklich der, der sie besitzt." (O.H.)

Und sie alle spielten in der "Etage". In The Nursery waren auch dort und die Legendary Pink Dots und... was hat das alles mit Goethes Erben zu tun ? Nun, der Inhaber des Clubs war Jochen Schoberth. In seinem Studio wurden die ersten 3,5 Goethes Erben-CDs aufgenommen. Die "Etage" wurde für eine in Kitzingen bei Würzburg wohnende Amerikanerin zum Stammclub. Kurze Zeit später lernte sie auch Oswald Henke kennen. "Oswald suchte neue Musiker, als ich ihn über Conny kennenlernte. Und wir haben gleich Bandfotos machen lassen und das erste Konzert geplant, bevor wir mit den Proben anfingen." (M.K.)

Mindy Kumbalek begann ihre Karriere am Schlagzeug und dürfte der einzige Mensch sein, der es bisher am längsten mit Oswald Henke ausgehalten hat. 1991 wurde aus Goethes Erben eine WG. Gemeinsam bezogen die Musiker ein Haus in einem Dorf, das so klein ist, dass wir es getrost als "Erbenreuth" bezeichnen können. Hierher verlagerten sich die Proben und kleinere Konzerte im Freundeskreis. "Als der damalige Keyboarder Erben und Beruf nicht mehr unter einen Hut brachte, dachte Oswald schon ans Aufhören. Ich habe zu ihm gesagt: ich lerne Keyboardspielen, ich bringe es mir selbst bei. Und Oswald hat micht ausgelacht." (M.K.).

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