Bremen, Schlachthof, 13.04.2001
[zum Bericht von Erik Laabs]
von Marc Christiansen
Bremen, Herford und Bochum gehören seit langer Zeit zu den klassische
Erben-Spielorten und so ist es wenig verwunderlich, daß sie auch auf der
´Nichts bleibt wie es war´-Tour wieder auf dem Programm standen; das
Schlachthof-Konzert in Bremen wie immer traditionell am Karfreitag, das
Bochum-Konzert dagegen nun nicht mehr im Zwischenfall (der für
Erben-Verhältnisse schon seit geraumer Zeit einfach zu klein ist), sondern
im in der Nähe liegenden Bahnhof Langendreer.
Anstelle einer Vorgruppe gab es zur Einstimmung auf das neue Programm
dieses Mal einige "Kollektive Betrachtungen" in Form einiger Videoclips und
eines Kurzfilms.
Den Beginn machte der Erblast-Clip zu "Saddams Requiem", den einige Wenige
von Euch vielleicht von dem noch vor einiger Zeit erhältlichen, inzwischen
aber ausverkauften Videoband kennen.
Den Anschluß machte ein Kurzfilm von Axel Hoffmann, Andreas Kunze und
Michael Broehl, der mit "Der Tag" betitelt war. Den Inhalt dieses sehr
avangardistischen Werkes wiederzugeben fällt schwer, ist die Handlung doch
nicht so leicht nachvollziehbar bzw. sehr interpretationsbedüftig. Dennoch
war dieser Film für mich der Interessanteste der filmischen Darbietungen.
Er trug stark expressionistische Züge, so etwa durch die an den deutschen
Stummfilm "Das Kabinett des Dr.Caligari" erinnernden schiefen Häuserfassaden.
Irgendwie geht es um einen "Künstler", der etwas die Orienterung verloren
hat - und scheinbar auch zwei für ihn nicht bedeutungslose Bezugspersonen
(Frau und Kind ?). In weiteren Rollen tauchen auch noch drei etwas
durchgeknallte Typen in Anzügen auf, einer von ihnen stellt sich mit "Herr
Sündenstolz" vor, soweit ich das richtig mitbekommen habe.
Schließlich wird man Zeuge des Ablebens dieses "Künstlers" und findet ihn
in einer Art Leichenkeller wieder, wo er für die Anzug-Typen arbeiten soll.
Die Kulisse mit ihrem schachbrettartigem Parkettboden erinnerte mich
zunächst etwas an "2001 - Odyssee im Weltraum". Zwei barock-gekleidete
Damen laufen einem dann auch noch über den Weg - naja, dann ist ja alles
klar, das Barocke hat ja eh den Ruf, ein bißchen konfus zu sein...
Im Folgenden spielen die "Nachtschattengewächse" Tomaten (blutrot
natürlich) eine wichtige Rolle. Zum Schluß tauchen sie in
überdimensionierter Größe auch noch einmal auf (oder sind es hier rote
Bälle ?).
Man braucht schon ein gerüttet Maß an Phantasie, um diesem Film eine
tieferen Sinn zu geben; aber gerade das macht irgendwie den Reiz aus -
jeder sieht darin etwas anderes...
Unterlegt war dieses "Kunstwerk" übrigens mit einigen Sprenkseln
Artwork-Musik, die den Bildern einen ansprechenden akustischen Rahmen gaben.
Es folgten nun noch zwei Videoclips; zunächst "Traue nicht einmal Deinen
eigenen Träumen" von dem Video "Epochenspiel" sowie der Artwork-Clip
"Nightdance 2", der sehr mittelalterlich gehalten ist (und Oswald mal
wieder im Zentrum des Geschehens sieht); angereichert wurde der Clip mit
einigen Großstadt-Impressionen aus Frankfurt am Main - nun ja, da könnte
ich mir schon etwas Schöneres vorstellen...
Den Auftakt des Konzertes machte dann die Neuinterpretation von "Schatten",
wiederum begleitet durch das visuelle Element auf der Leinwand (wer die
Februar-Ausgabe der Zillo sein Eigen nennt, dürfte diesen Clip in etwas
anderer Form kennen). Und um sein Outfit vom aktuellen Tour-Plakat zu
unterstreichen, betrat Herr O.H. auch gleich mit entsprechender
Kopfbedenkung die Bühne.
Dem "Eissturm" und dem sehr ruhig gehaltenen "Vermißter Traum" mit
Akustik-Gitarren-Begleitung folgte die Auflösung des Rätsels um die Puppe,
die wohl auch auf dem aktuellen Maxi-CD-Cover Verwendung fand.
Nach der Klavierballade "Ganz still" und dem bereits von vorangegangenen
Konzerten bekannte "Paradoxe Stille" gab es für die Besucher in Bremen und
Herford eine kleine Überraschung in Form des "Special Guests" Peter Heppner (Wolfsheim), der
gemeinsam mit Oswald den "Glasgarten" intonierte. Diese Version werden wir
demnächst wohl auch auf einer weiteren Maxi-CD zu Gehör bekommen.
Dem fröhlichen Traum aus der Welt der Elfen (eigentlich lieber Elben),
seien es nun Vanyar oder Noldor (bei Oswald und Mindy wohl eher letztere),
den Wäldern von Doriath und Lothlorien, folgte das böse Erwachen in Form
einer Schockwelle - die Neuinterpretation des Still Silent-Hits
"Shockwaved", dessen Untertitel der Tour ihren Namen verlieh. Für
diejenigen, denen es bislang zu ruhig war, wurde nun etwas mehr Druck
geboten. So auch mit dem sehr gitarrenlastigen "Himmelgrau", bei dem Oswald
den Text in einem Affentempo herunterbetet (als Hip-Hop würde ich es aber
noch nicht bezeichnen) - gerade bei diesem Text hätte ich mir persönlich
eine etwas andere, deutlichere Betonung/Aussprache gewünscht.
Für zwei Stücke erfolgte nun ein kurzer Ausflug in das bislang leider nicht
realisierte Opernhausprojekt. In Form eines kurzen Dialogs (dessen Rollen
der Einfachheit halber auch gleich beide mit O.H. besetzt waren) wurde man
in die Bedeutung des Titels "Zwischen Eins und Drei ist nichts" eingeweiht,
dessen Hintergrund die Bibel ist.
Da ich selbst nicht gerade zu den bibelfesten Zeitgenossen gehöre, gebe ich mal
kurz das wieder, was Oswald dazu ausgeführt hat.
Die Eins steht für den Erstgeborenen, den gefallenen Engel, auch Satan,
Teufel oder Beelzebub genannt. Die Drei steht für die Dreifaltigkeit,
letztendlich also Gott.
Eben jener Gott (was auch immer man darunter verstehen mag) hat ein Problem :
Zu ihm gelangen immer weniger friedfertige Seelen, weil die Menschen
allesamt so böse geworden sind und sich nicht mehr an die biblischen
Grundregeln (die 10 Gebote) halten; die Hölle dagegen ist mittlerweile
überfüllt. Daher rät der Teufel seinem Schöpfer, er möge doch die Gebote
auf 5 reduzieren - dieser geht auf den Deal ein und leitet damit in das
Stück "Ganz sanft" über.
Auch hier gibt es für Erben-Verhältnisse sehr ungewohnte Klänge :
Gothic-Rock mit Walzer-Einschlag - exzellentes Stück !
Ein aus Pinselstrichen skizzierter Engel leitet wieder erbentypischere
Klänge ein : "Rotleuchtende, einst weiße Engel" - mit vielen Anspielungen
an die Apokalypse gespickt (und an eine gewisse astronomische Besonderheit).
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