27.03.1997 Kraftwerk Chemnitz

Chemnitz

Das erste Konzert der diesjährigen Erben-Tour konnte ich ganz neu erleben, nicht nur neu wegen des Baletts, da hatte man ja auch schon einen ersten Eindruck nach Plauen, sondern vor allem konnte ich jetzt alles deutlich sehen, da ich inzwischen Kontaktlinsen besitze und so nicht mehr auf meine Sehhilfe verzichten brauche.
Aber genug davon, gleich vom ersten Augenblick an merkte man, daß es etwas anders werden würde, denn gleich am Anfang stand das Balett schon im Mittelpunkt. Das Theaterspiel begann. Auch vorher, als die CD noch nicht draußen war, wurde die Geschichte erzählt, doch war es damals mehr um den roten Faden offensichtlich zu machen, wogegen es nun ein echtes Schauspiel war. Viele Stimmen um mich rum, waren erstaunt von der Balettinszenierung, doch fanden es nach einiger Zeit nicht nur gut, sondern als eine echte Bereicherung. Irgendwie merkte man aber doch, daß es das erste Konzert der diesjährigen Tour war, so spielte Oswald ziemlich oft an seinem Mikro rum, welches am Kinn gehalten wurde, so daß er die Stücke richtig ausleben konnte. Auch wurde das Publikum aktiv in das Spektakel mit einbezogen. Ich finde es aber immer wieder erstaunlich wie sich Publikum verändern kann. So verneinte man bei "Begrüßende Worte" noch ganz klar die Gier und die schöne Götterspeise, doch später stürzten sich doch wieder alle auf das Hemd, als es Herr Henke dem Publikum opfterte. Leider mußte etwas Negatives doch noch kommen, so daß man aus der schwarz- weiß/bunten Welt herausgerissen wurde. Das Chemnitzer Publikum fand es nämlich toll bei dem Schlußmonolog unbedingt die restlichen Luftballons, die bei "Leblos farblos" sich über dem Publikum ergossen, zerplatzen zu lassen. Sehr gut fand ich es, daß Oswald darauf auch prombt reagierte und eine seiner spitzen Bemerkungen abgab, welche auch öfter während der Inszenierung die Stimmung noch mehr auflockerten. Trotz dieser kleinen negativen Randerscheinung war es ein hervorragendes Konzert und so kehrte ich mit meiner Freundin, welche seit diesem Zeitpunkt meine Goethes Erben Leidenschaft teilt und einer anderen Freundin, die es besser fand als Lacrimosa, obwohl sie eigentlich diesen vergöttert, in tiefer Faszination heim. Damit dieser Eindruck erhalten bleiben würde, spielten die Erben auch nur zwei Zugaben, welche für sich selbst ein Erlebnis waren - "Goethes Erben hat auch 'richtige' Männer auf der Bühne". Erstaunlich fand ich es, daß bei der namentlichen Nennung aller Mitwirkenden auch Oswald Henke sen. genannt wurde, sein Vater also anscheinend das "Treiben" seines Sohnes unterstützt.
Leider hinterließ das Fan-Treffen nicht ganz so einen positiven Eindruck, was vor allem auf das Fehlen des Video-Beamers zurückzuführen war, weshalb die Präsentation des neuen Videos ausfallen mußte. Dafür war mehr Zeit sich mit den Akteuren näher kennenzulernen.
Insgesamt kann man doch von einem sehr gelungenen Tourauftakt sprechen.

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