Neerpelt - Eurorock-Festival, 05.08.2000

von Angelika

Im Rahmen des Eurorock-Festivals in Belgien hatte ich die Gelegenheit, wieder einmal ein Konzert von GOETHES ERBEN zu erleben. Das erste in diesem Jahr, wenn man von dem Clubkonzert im Glashaus in Bayreuth absieht, das im kleineren Fankreis am Vorabend des Belgienauftritts statt- fand.

Das Konzert wurde eingeleitet mit einem neuen Stück - "Fleischschuld" - das mit Sicherheit wegen seines Textes zu Diskussionen beim Publikum führen wird.

Wie auf früheren Konzerten häufiger, kamen beim Titel "Die Form" auch die Kerzen zum Einsatz. Ich persönlich finde diese Idee einfach genial. Man sollte einmal bewusst beobachten, was sich in der Kerzenphase bei den Zuschauern so abspielt, was letztendlich zu der ganz besonderen Stimmung im Publikum führt. Die Menschen schauen sich in die Augen, lächeln sich an, erkennen sich im Anderen wieder und fühlen sich für Augenblicke miteinander verbunden. Der Kerzenschein tötet jegliche Agression und macht die Menschen friedvoll.

Natürlich unternahm Oswald Henke beim Stück "Sitz der Gnade" auch seinen obligatorischen Ausflug ins Publikum, was ihm trotz hoher Bühne und ziemlich breitem Bühnengraben gelang. Angesichts der brennenden Kerzen wurden Befürchtungen laut und es kamen Zweifel auf, ob er es wieder auf die Bühne schaffen würde. Als er das Problem mit einer eleganten Rückwärtsrolle löste, war die Begeisterung groß.

Im Laufe des ca. einstündigen Konzertes wurde ein Querschnitt des bisherigen Schaffens von GOETHES ERBEN geboten und immer wieder der Bogen ge- schlagen von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft. Auch einige Stücke von KONDITION: MACHT! waren zu hören.
Hinweis auf die Wiederaufführung dieses Musiktheaterstückes in Bayreuth vom 29. September bis 1. Oktober 2000. Man kann schon sehr gespannt darauf sein.

Ein noch unveröffentlichtes Stück war "Paradoxe Stille" und als Uraufführung "Eissturm". Diese beiden Stücke zielen mehr auf die eigenen Gefühlswelten, in denen sich jeder in der einen oder anderen Form wiederfinden kann. Der Beifall zeigte, wie gut sie beim Publikum ankamen. Ich wünsche mir, dass diese neuen Stücke bald auf CD veröffentlicht werden.

In Belgien konnte ich GOETHES ERBEN auf ganz neue Art und Weise ent- decken; eine sehr spielfreudige Band, die ganz locker wirkte und einen nach- haltigen Eindruck beim Publikum hinterließ.

Bei früheren Auftritten ging es mir manchmal so, dass ich nach dem Konzert ziemlich sprachlos war, überwältigt und so von Eindrücken erfüllt, dass es mir nicht möglich war, meine Begeisterung auszudrücken. In Belgien war das Publikum irgendwie respektloser und begeisterungsfähiger, anders als ich es von Konzerten in Deutschland kenne.

Großen Eindruck hat auf mich gemacht, mit welcher Inbrunst die Belgier die Texte der Stücke mitsingen und zwar von der ersten bis zur letzten Zeile. Auf Nachfrage erzählten uns einige Besucher, dass sie die Texte schon verstehen, weil sie sich diese übersetzen ließen.
Bei so viel Interesse bleibt nur zu bemerken, dass GOETHES ERBEN offensichtlich auch im Ausland gut bekannt sind und geschätzt werden, obwohl sie ausschließlich in deutscher Sprache agieren.
Der Titel "Die Brut" in seiner Neubearbeitung hat nichts von seiner Aktualität verloren und war somit ein Bestandteil der Positionierung dieser Band gegen braune Tendenzen in der Szene, die in letzter Zeit häufig diskutiert werden.

Bei mir haben GOETHES ERBEN den stärksten Eindruck aller beim Euro-rock aufgetretenen Bands hinterlassen.

Angelika


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