24.03.1994 Kreuz - Fulda

Artikel im "Kreuz & Quer Kultur" (Frühjahr 1994, Magazin des Kulturzentrums Fulda)

Die Musik ist traurig. Die Gäste tragen schwarz. Oswald Henke ist mehr als ein Frontman : Er ist Rezitator und Schauspieler zugleich. Er singt, spricht und wehklagt in verdrehtem, bizarr schönem Deutsch. Die Musik dazu ist zurückhaltend, wirkt oft wie das Lied einer alten Spieluhr, welches durch die Mittel der modernen Elektronik die Zeit überwindet.
Mit der 1993 veröffentlichten CD "Die Brut" geben die Erben - musikalisch ganz im Dark Wave und Gothic-Stil - ein eindeutiges politisches Statement ab. Sie prangern neofaschistische, rechtsextreme Gewalt an. Ein Versuch, die Morbidität und Absurdität brauner Schlägertrupps und ihres Gedanken"guts" in ihrer Unmenschlichkeit zu entlarven. Eine Stimme mehr, diesmal aus der Gothic-/Dark-Szene, die sich gegen den erneut aufkeimenden Rassismus und Faschismus in unserem Land erhebt.
Live entspricht die Band den bekannten Klischees der schwarzen Szene : düster-neblige Kulisse, eingetaucht in fahlen Kerzenschein. Glasnost für die totgeglaubte deutsche Gruftiszene ? Goethes Erben sind jedoch musikalisch und auch inhaltlich weit mehr als nur ein Remake. Lyrische Kompositionen als Musiktheater dargebracht - sehenswert und das sicherlich nicht nur für Gruftpoeten.
Im Anschluß an das Konzert der "Erben" wird der in der Dark-Wave-Szene bekannte DJ "Diva" eine mystische Nacht zelebrieren. Auf dem Plattenteller werden Hits aus dem EBM- und Gothic-Bereich liegen.

zurück