[Konzertbericht von Marc Christiansen]
Goethes Erben + Zeraphine - Herford, Kick 01.03.03
Bericht des Online-Magazins www.amboss.de (von Andreas)
An einem Samstag ist es immer sehr sinnvoll, pünktlich die Innereien des
Herforder Kicks zu erreichen, denn um Punkt 20 Uhr betraten die Mannen um
Sänger Sven Friedrich die Bühne. Eine Mischung aus Dark Wave, romantischen
Strukturen und straighten Gitarren begleiteten die pathetischen Texte.
Sänger Sven, der auch verantwortlich für die melancholischen Texte ist,
stand fortan im Mittelpunkt. Das Konzert bestand bis auf das Depeche Mode
Cover zum Schluß, aus Songs des aktuellen Debüt-Werks "Kalte Sonne", dessen
Titel auch die Eröffnung des Konzertabends war. Melancholie und Härte
paarten sich im weiteren Konzertverlauf zu einer Einheit.
Aufgrund der kurzen Zeitspanne hastete man ein wenig durch das Set. Aber spätestens bei
romantischen Songs wie "Sterne sehen" oder "In der Tiefe" nahm man sich die
Ruhe und bot eine solide, sehr gefühlvolle Darbietung. Das warme, dunkle
Timbre Svens erging sich sogar in "Ohne Dich" in aggressive
Stimmbandvariationen. Das ruhige "In Your Room", einziger englischer Titel
und gleichzeitig einziges Cover, ließ vor allem die aufhorchen, welche diese
Band vorher nicht kannten.
Nach einer recht kurzen Umbaupause (schließlich ist hier samstags bei
Konzerten um 22.30 Uhr Schluß; übrigens eine Zeit, bei der am Dienstag
gerade mal die Vorband ihren Set beendet; Rücksicht auf die arbeitende
Bevölkerung wird im Kick nur am Wochenende genommen; ein Schelm der....),
betrat dann das sechsköpfige Ensemble um Sänger und Entertainer Oswald Henke
die Bühne.
Und Oswald hatte erneut seine Kiste dabei, aus der er während des
Konzertes alle möglichen Utensilien entnahm. Der Beginn des Abends war das
theatralisch, tiefdunkle "Der Weg", ein Song, der sich deutlich gegen die
Todesstrafe richtet und aus der Sicht eines Gefangenen erzählt wird. Das
Ganze war ein Wunschkonzert und die Titel wurden per Internetvoting
bestimmt. Oswald gelang es trotz allem, einen geschickten Songaufbau zu
gestalten, wobei zu Beginn vor allem die etwas älteren Songs interpretiert
wurden. Beim folgenden "Zinnsoldat" holte Oswald eine alte Uniform aus der
Kiste. Das von morbider Schönheit begleitete "Schwarze Wesen" wurde vom
aggressiven "Die Brut" abgelöst. Die Gitarristen schlugen die Saiten ein
wenig härter und auch Oswald lieferte eine Darbietung, deren Wut alles
andere als gespielt war.
Danach wurde es mehrere Nuancen ruhiger und man gab
einige neuere Stücke zum Besten. "Vermisster Traum" umhüllt von tiefer
Melancholie, welche durch das Verwenden einer roten Puppe noch exzessiver
wurde. Das ruhige "Glasgarten" sowie "Himmelgrau" und das düster verspielte
"Abseits des Lichts". Direkt danach im weißen Kittel gab Oswald bei "5
Jahre" den perfekten Psychopathen ab. Wie ein Irrwisch rannte er über die
Bühne und erklomm kurzzeitig die Boxen. Das böse "Iphegenie" wurde perfekt
inszeniert, bevor es mit der deutschen Übersetzung ("Sitz der Gnade") eines
Nick Cave Klassikers in die erste Pause ging.
Bei der ersten Zugabe gab es
erstmals einen Ausblick in die Zukunft mit einem Song aus dem neuen
Musiktheaterstück, welches im Frühjahr 2004 auf die Reise geht. Entlassen
wurde man mit dem ruhigen, nachdenklichen "Mensch sein". Wie immer ein
perfekter Auftritt zwischen Schauspiel, interessanten Texten, gefühlvollem
Gesang. Erneut gelang es Oswald in Zwischenspielen Aufmerksamkeit zu wecken
und gleichsam für witzige Kommunikation zu sorgen. (andreas)
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