01.08.1998 Black Moon Festival - Neuruppin

Es war eine weite Anreise, doch die Bands des Black Moon-Festivals versprachen zwei gute Open Air-Tage.
Austragungsort war ein riesiges ehemaliges Militär-Flugplatzgelände in Neuruppin, das ca. 80 km nördlich von Berlin liegt. Aufgrund der Größe des Geländes konnte man von der Hauptstraße aus keinerlei Festival-Aktivitäten ausmachen. Erschwerend kam hinzu, daß die Ausschilderung äußerst miserabel war (Computerausdrucke in DIN-A-4-Größe, für Autofahrer dürften die unsichtbar gewesen sein).
Doch nach schätzungsweise 3 km Fußmarsch über die ehemalige Lande- und/oder Startbahn, vorbei an diversen Bunkeranlagen und einer Schafsherde, konnte man einige wenige Zelte und schließlich auch eine Bühne ausmachen. Die Besucherzahlen am Samstag waren zunächst (ca. 11.00 Uhr) äußerst bescheiden und sollten sich auch über den Tag gesehen nicht deutlich steigern. Dazu hat sicher auch der kurzfristige Wechsel des Veranstaltungsortes beigetragen (ursprünglich Schönermark). Die Pleite war somit abzusehen und es war Glück, daß Goethes Erben bereits am Samstag spielten (und ihr Geld außerdem im voraus erhalten hatten).
Nach einer Reihe kleinerer Acts wie Bakterielle Infektion, Exedra, Kill The Audience, Evils Toy, Stendal Blast, Aimless, Tanzwut, Dust Of Basement u.a. kamen so gegen 20.45 Uhr die Erben an die Reihe. Gespielt wurde das (etwas gekürzte) bekannte Festival-Programm dieses Sommers. "Begrüßende Worte" hat man wohl aufgrund der Länge weggelassen (womit natürlich auch die Bananen-Show entfiel), dafür gab es aber Haribo-Gummibärchen bei "Das Leben ist schwer" (soweit ich das erkennen konnte, ich stand nämlich nicht ganz vorne) und wie immer Kerzen bei "Die Form". Meiner Meinung nach überwog ein bißchen zu sehr der "Schach..."-Anteil (Keine Farben, Gleiten, Nacht der 1000 Worte, Seelenmord) und "Zinnsoldaten" und "Märchenprinzen" sind irgendwie auch immer dabei (dafür war Oswald sehr "zeitsprungfreudig"). Dennoch war die Stimmung bei dem Erben-Auftritt noch die beste während dieser zwei Tage. Ich schätze mal, daß da vielleicht noch 600-700 Leute da waren. Für ein Festival auf jeden Fall zu wenig. Die Quittung folgte prompt am nächsten Tag : Nicht nur das Wetter schlug in Bewölkung um, auch dem Festival drohte das vorzeitige Aus, denn allem Anschein nach hatte sich der Veranstalter aufgrund des mangelnden Zuspruchs aus dem Staub gemacht. Einige Bands werden sicher keinen Pfennig Geld mehr sehen. Entsprechend kursierten Gerüchte, daß die übrigen Bands nicht mehr spielen würden - wonach es so gegen 12.00 Uhr auch aussah. Leute waren auch kaum noch auf dem Gelände.
Schließlich kamen dann doch noch Tom-Tom Gegenschrey, Laudanum, Manipulation, Trysticia, Morbus Kitahara, Plastic Noise Experience, Kirlian Camera, Suicide Commando, Veljanov und Das Ich. Festival-Stimmung kam allerdings keine mehr auf; ich schätze mal, mehr als 200 Leute waren da nicht am Sonntag. Einige sind sicher auch wegen der Gerüchte, daß die Bands nicht mehr spielen würden, vorzeitig abgereist. Wer kannīs ihnen verübeln ?

zurück