Wien, Planet, 18.04.2001

von Karin Hauber

Um 20 Uhr 45 begann die Band "Totentanz" zu spielen. Ich habe die Band schon öfters dort gesehen, und ich muß sagen, daß sie mir ganz gut gefallen! Die Performance dauerte ungefähr eine knappe Stunde.

Dann wurde schnell umgebaut für Goethes Erben. Es kamen schön langsam immer mehr Leute. Dann, um ca. 21 Uhr 45 begann der Vorfilm von den Erben. Bis jetzt war es doch eher laut gewesen. Aber als der Film begann, kehrte unter den (ich schätze mal 500 Leuten) sehr schnell Ruhe ein! Alle schauten sich offensichtlich das Video an, und man sah sogar schon vereinzelte Blitze, wenn jemand die Leinwand fotografierte. Auch ich machte ein Foto; und zwar bei dem Video "Traue nicht mal Deinen eigenen Träumen", das ich absolut super finde.

Zu dem Video im Allgemeinen: Ich muß sagen, es war mir doch etwas zu politisch. Aber es gab auch einige schöne Szenen darin zu entdecken! Bildlich gesehen! Oswald mit Umhang usw... , echt super!!! Nun gut, das Video nahm seinen Lauf.

Dann kam ein Mann mit Pudelhaube, Jacke und Turnschuhen auf die Bühne, wie ein Skater, den man im Dunklen kaum sah. Sascha meinte ganz verzückt: "OSWALD!!!!" Ich murmelte gerade noch ein "Nein, Blödsinn", als dieser Typ zu singen begann! Es war tatsächlich Oswald Henke! Sein langes, wunderschönes Haar komplett unter der Mütze versteckt! Ich kam aus dem Wundern nicht mehr heraus...

Das Konzert begann also hiermit und nahm seinen Lauf. Am Anfang war nur Oswald auf der Bühne, und neben seinem Gesang lief noch immer ein Film. Aber nach dem ersten Lied kam dann die restliche Band heraus. Das Publikum war ausgesprochen angenehm. Überhaupt keine unangenehmen, lauten Typen. Wenn ich da an In Extremo so denke... ;-)))

Der erste Teil des Gigs bestand ausschließlich aus neuem Material. Und, laut Sascha, auch aus einem Lied von Artwork [Anm. des Webmasters : Gemeint ist wahrscheinlich das Erblast-Stück ´Was war bleibt...´, ein Artwork-Stück war nicht dabei]. Kann ich aber nicht beurteilen, da ich da nicht so genau Bescheid weiß. Mit den diversen Nebenprojekten kenne ich mich zu wenig aus... Diese neuen Stücke sind ja teilweise total anders, im Gegensatz zu früher! Teilweise auch ziemlich hart!!

Bei einem Stück wurde wild auf diversem Material herumgeklopft; und zwar so extrem, daß Sascha den einzig wahren Ausdruck dafür fand: "Wie die Neubauten!!!" Ja! Genau! Jetzt wußte ich, an was mich diese Klopferei erinnerte! Dann, bei einem anderen (oder möglicherweise sogar beim selben??) Stück meinte Oswald als Einleitung: "Sagt nachher nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!!! Und ich sage nun im nächsten Stück kein Wort!!" Danach stellte er ein Diktiergerät an, legte es zu seinem Mikro, und man hörte Oswalds Stimme aus dem Diktiergerät. Und dann gab es ein Lied, wo sich Oswald auf einen Stuhl setzte, bewacht von seinen Gitarristen, und von einem Zettel was runterlas. Danach ging es richtig heiß her. Und bei dem Lied, was sich anhörte wie Neubautenstuff, zog Oswald sich das Hemd aus, und er fing an, extrem auf der Bühne herumzutoben, mit einem Besen, der dabei zu Bruch ging, alles von der Bühne zu fetzen, einschließlich der Neonröhren, die er bei dem Lied aufgestellt hatte, und auch teilweise vom Publikum halten ließ, und dann zerlegte er noch so nebenbei eine elektrische Gitarre in ihre Einzelteile, währenddessen wurde mit einer Trennscheibe so fest gewerkt, daß die Funken auf den, sich nun halbnackt am Boden wälzenden Oswald flogen. Alles wirklich ziemlich extrem!

Bei dieser Nummer verfing sich die Kette, die er trug, hoffnungslos in seinem wirren Haar. Als dann diese Explosion von einem Lied vorbei war und Oswald sich wieder zusammenklaubte, meinte er: "Nach dieser Tour lasse ich mir meine Haare abschneiden!!" Ein Schrei aus dem Publikum: "NEEIIN!!!!!!" Oswald: "JA!!" "NEEEEEEIIIIIIIIINNNN!!" "JAAA!!!!!" Und so ging das hin und her. Einigung wurde keine erzielt... ;-) Dann kam auch ein Lied, bei dem Oswald beim Keyboard stand und Mindy auf diesem Metallhaufen herum klopfte. Dieses Stück hörte sich absolut grandios an!!!!!! Mindy war in Hochform!!!!

Es ging teilweise auch ziemlich heiter her. Zum Beispiel, als Oswald mit seinem lieben Gott und dem Teufel über die Bühne hin und herfegte, und das Gespräch der beiden mimte. Was auch einfach typisch für seine wunderbaren Gigs ist, daß er immer wieder den totalen Kontakt zum Publikum suchte! Er war ständig mit irgend jemand von uns beschäftigt und berührte und zerraufte einen von uns, wenn er sang.

Er machte auch des öfteren einen Ausflug direkt ins Publikum. Und man mußte ständig aufpassen, daß er einem bei seinem wilden Jagden und Sprüngen nicht auf die Hände sprang! Einige Male konnten wir gerade noch zurückweichen, und Oswald stand wieder mal wirklich direkt ÜBER uns! Einmal tropfte sogar entweder sein Schweiß oder sein Atem auf mich herunter. Jedenfalls spürte ich einen Tropfen im Gesicht...

Dann, nach ca. 1,5 Stunden war der Hauptteil vorbei. Als er zum ersten Zugabeteil herauskam, kamen dann die alten Nummern zum Zug. Gleich als erstes der Sitz der Gnade! Dann folgten noch ein oder zwei Nummern. Wieder eine Verabschiedung; wieder jede Menge Zugabegeschrei.

Oswald kam wieder. Nun mit einem Haufen Kerzen, die er an uns austeilte, und die wir anzuzünden hatten. "Damit das Ganze ein bißchen feierlicher wird", wie er so ungefähr meinte. Dann kamen noch 3 Nummern. Als Abschluß "Wo ist Iphigenie". Dieses Mädchen suchte er wieder einen großen Teil des Liedes lang mitten unter uns. Ich hatte schon im Gefühl, daß es nun möglicherweise besser sei, die Kerze auszumachen. Und ich hatte recht: Denn kaum, daß meine Kerze, die ich vor mir auf der Bühne stehen hatte, erloschen war, kam Oswald von hinten wieder Richtung Bühne gestürmt, und zwängte sich genau zwischen mir und Sascha durch zur Bühne und sprang leichtfüßig wie eine Gazelle auf dieses mindestens ein Meter hohe Bauwerk hinauf! Ohne nur eine Silbe falsch oder gar überhaupt nicht, zu singen! Das bewundere ich auch immer schon an ihm. Egal, was er auch aufführt, er versingt sich so gut wie nie. Na ja, aber nach Iphigenie war dann leider tatsächlich Schluß. Oswald verabschiedete sich entgültig (...)

Nun kam eine Live-performance mit einer Art Modenschau dran, die mich aber nicht mehr interessierte. Schließlich war es schon nach Mitternacht, und ich mußte am nächsten Tag arbeiten (...)

Dann stellte ich mich für ein paar Minuten zum Backstageeingang und wartete einfach mal ab. Als aber die Zeit verging und sich nichts tat, fragte ich den Security, der mich aber nicht kannte, ob er mich reinlassen würde, da ich mir so gerne ein Autogramm geholt hätte. Natürlich (hatte ich eh erwartet) verneinte er. Ich meinte daraufhin zu ihm, daß Rene mich aber bestimmt reinlassen würde. Als der Security den Namen Rene hörte, bemerkte ich eine beginnende Unsicherheit in seinem Gesicht. Aber er sagte: "Warte noch ein bißchen..." Okay.... Ich blieb geduldig stehen. Es dauerte keine 5 Minuten, da kam Rene aus dem Backstagraum! Ich fragte ihn, ob ich vielleicht kurz reindürfte, um mir ein Autogramm zu holen. Rene legte seinen Arm um meine Schultern, schob mich durch die Backstagetür, und sagte dem verdutzten Security, daß das okay sei. (...)

Nun gut. Ich sah Mindy und bat sie um ein Autoramm. Dann fragte ich nach Oswald. Mindy meinte, er würde gleich kommen, er würde sich noch fertig frisch machen. Ein paar Minuten später kam dann Oswald, und ich bekam mein Autogramm auf meine CD. Ich sprach noch ein paar Worte mit ihm, sagte ihm wie toll ich sein Konzert fand, durfte noch ein Foto von uns beiden machen lassen, wünschte ihm noch alles Gute, und dann ging ich. Er war wirklich ausgesprochen nett und ganz ein normaler, lieber Mensch.

Was mir aufgefallen ist; daß er eine große Beule (möglicherweise von heute?) auf der Stirn hatte, und daß er offensichtlich eine Erkältung hinter sich oder immer noch hatte. Auf der Bühne kam er mir auch kurz mal heiser vor... Man sah es ihm an; er hatte arge Ringe unter seinen Augen; außerdem hatte der arme Kerl zwei große Fieberblasen... Ich hatte vom Merchadisestand gehört, daß er beim Gig angeblich nicht gut drauf war. Das könnte eventuell ein Grund gewesen sein, warum es ihm möglicherweise nicht so gut ging...

Als ich ihn auf den Zustand der Bühne ansprach, daß sie schon ziemlich kaputt sei, meinte er, daß es nicht nur das kaputt sein sei, sondern auch, weil die Bühne arg verdreckt war. Und dabei untersuchte er seine zerschundenen und dreckigen Arme... Na ja, jedenfalls verließ ich nach ca. 15 Minuten den Backstageraum und suchte noch nach Sascha (...) Danach fuhr ich nach Hause. Um ca. 2 Uhr früh fiel ich ins Bett. Frag nicht, wie ich dreinblickte, als um 6 Uhr der Wecker läutete...

[Zurück]