Wuppertal, HDJ, 03.09.99

von Marc Christiansen

Die Stadt der Schwebebahn über der Wupper war gestern die Location des zweiten Konzertes der Episode II-Reihe der Goethes-Erben-Jubiläumstour; genauer gesagt : der Live-Club in Barmen, einem Stadtteil von Wuppertal (auch Haus der Jugend genannt). Von außen versprach dieses Gebäude etwas mehr als von innen, wo es sich als ein relativ normaler und nicht einmal besonders großer Live-Club offenbarte. Dennoch bot er genügend Platz für alle anwesenden Gäste.

Das Programm wich doch deutlich von der Frühjahrs-Tour ab, was sicher auch damit zusammenhängt, daß die Episode II ohne Ombra Ballare und ohne Harald Lindemann stattfand. Das Programm war dementsprechend um einiges härter als im März/April und es kamen auch einige sonst nicht sehr oft gespielte Stücke zum Einsatz; auch das "blaue" Album kam wieder einmal etwas mehr zur Geltung (in Form einer kompakten und gekürzten Version von "Blau" und eines neuen, etwas eingängiger arrangierten Mixes von "Pascal").

Insgesamt gab es drei ganz neue Stücke, von denen "Glasgarten" bereits auf dem Festival in Neerpelt präsentiert wurde. Letzteres ist wohl eines der poppigsten und rhythmischsten Stücke, die Goethes Erben bislang komponiert haben. Es könnte das "Marionetten" des kommenden Erben-Stückes "Zwischen Eins und Drei ist Nichts" werden, welches im Juli 2000 im Markgräflichen Opernhaus uraufgeführt werden soll.

Eine 2 1/2-stündige Mammut-Show wurde diesmal zwar nicht geboten, dafür gab es einen sehr adäquaten Support-Act : Mila Mar - weitestgehendst ruhige, etherische Klänge mit leichten World-Music-Einflüssen, Percussion-Elementen und einer unvergleichlichen Frauenstimme im Mittelpunkt.

Die Sängerin Anke Hachfeld schwebt spielend zwischen den unterschiedlichen Tonlagen und wenn sie den "Alt" anstimmt, drängt sich unweigerlich der Vergleich zu Lisa Gerrard auf, auch wenn die Band das sicher nicht hören mag. Es stimmt auch nicht in allen Punkten, aber gerade, wenn sie die ersten Töne von "Nova" (dem Titelstück der aktuellen CD) oder "1,5" (ja, heißt echt so) anklingen läßt, ist für einen Moment dieses Gefühl bei mir da, weil es bei diesen Stücken auch von der Musik entsprechend getragen wird.

In jedem Fall eine durchaus passende Vorband für ein Goethes Erben-Publikum, was auch durch den Applaus und eine Zugabe bestätigt wurde.



von Klaus-Peter Pies

Ich fand es doch ziemlich schade, dass es einigen Leuten nicht möglich erschien sich auf den Boden zu setzen. Dies hatte den Effekt, dass die Leute die sich nach einer Aufforderung Oswalds hingesetzt hatten, nicht lange im Sitzen verweilten und wenige Minuten später alle Leute wieder standen. Einige Personen haben daraufhin nicht mehr so viel sehen können.

Ich finde es eigentlich sehr angenehm wenn einige Reihen vor der Bühne sitzen, da auf diese Art und Weise ein größerer Teil des Publikums die Möglichkeit hat, die gesammte Bühne überblicken zu können.



von Sven Lünenbach

Es sei angemerkt, daß Mila Mar in der Tat eine hervorragende Sängerin haben, die stimmlich über jeden Zweifel erhaben ist. Die Musik erinnerte mich an eine Mischung von Dead Can Dance und Arcana, war also absolut mein Fall. Schade fand ich nur, daß einige Zuschauer nicht genug Disziplin aufbringen konnten. Man hörte ständig was von "langweilig" und "bald fertig", manche hielten Smalltalk mitten unter denen, die sich auf das Konzert konzentrieren wollten. Leider häufen sich diese Erlebnisse in der letzten Zeit auf verschiedenen Konzerten - man wird sich wohl daran gewöhnen müssen.

Zu der Aktion mit dem Hinsetzen kann ich nur sagen: ich stand in der zweiten Reihe und setzte mich auf Oswalds Geheiß hin, mit dem Ergebnis, daß die Leute in der vierten Reihe was sahen und wir (bzw. ich) so eine Art üble Froschperspektive hatten, die eher als unbefriedigend zu bezeichnen war. So war ich denn froh, als ich mich dem allgemeinen Aufstehen anschließen konnte, denn so recht gemütlich war es nicht. Ich heiße solche Aktionen gut, wenn die Bühne sehr flach angelegt ist (z.B. im Zwischenfall, Bochum) und nicht - wie in Wuppertal - eher hoch, also für die vorderen Reihen sehr ungünstig und sich ALLE setzen - dann hat JEDER was davon.

Das Konzert war wieder einmal sehr befriedigend, die Stimmung im Publikum wurde zum Ende hin immer besser und Oswald hat mal wieder alles gegeben (ich sage nur "Voodoo-Trommeln"). Immer wieder beeindruckend, wie er auf der Bühne agiert. Vor allem hat man nie den Eindruck, die Performance sei aufgesetzt oder gezwungen. Einfach nur gut ...



von Lutz Hermanns

Da bisher (fast) nur positive Stimmen zum Wuppertal Konzert kamen, nun meine Meinung.

Tja, also ich war auch in Wuppertal und muß leider sagen, daß mich doch einige Leute sehr genervt haben. Denn leider standen rechts von mir einige Personen, die sich fast das ganze Konzert über sehr viel zu erzählen hatten. Auch einige penetrante Zwischenrufe aus der anderen Richtung und Kommentare der Güteklasse "Das ist der Vorteil bei englischen Liedern, man versteht die Texte nicht" haben mich ganz schön gestört. Entweder man geht zu einem GE Konzert und diskutiert hinterher, oder man läßt es sein.

BTW hatte ich den Eindruck, dass Oswald auch nicht gerade sehr glücklich mit dem Publikum war ...

Wo wir gerade bei "nicht glücklich" sind: Die Geigerin bei GE hatte glaub ich sehr große Probleme damit, daß Oswald sie bei einigen Stücken doch sehr gemustert hat bzw. sogar versucht hat, sie in seine Show zu involvieren. Die konnte einem schon leid tun ;-)

Ansonsten kann ich nur sagen, daß ich sehr positiv von Mila Mar überrascht war, das Erben Konzert an sich gut war, mir jedoch in der Vergangenheit ein paar Konzerte von GE besser gefallen haben (z.B. Anfang des Jahres in Bochum).

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