[Bericht aus dem Nordbayerischen Kurier, 12.09.2000] [Fotoalbum einer Fernreise]

Mexico City - Festival, 26.08.2000

von Oswald Henke

Mexiko City war alle Strapazen wert, die vierstündige An- und Abreise zum bzw. vom Flughafen, 12 bzw. 14 Stunden Flug, und leider nur ca. 40 Stunden Aufenthalt in Mexiko City. Egal ob Zeitverschiebung oder Sprachprobleme, das Konzert war ein Erlebnis, ein perfekt organisiertes Festival, funktionierende Technik, engagierte Techniker und ein mehr als dankbares Publikum.

Es war schon ein ungewöhnliches Erlebnis, als das Publikum in Mexiko anfing die deutschen Texte mitzusingen (bzw. mitzurezitieren). Das ca. 2500 Köpfe zählende Publikum feierte, hüpfte, schrie und suchte Kontakt, während und vor allem auch nach unserem Konzert. Es war spannend  als wir mit "Kondition:Macht!" unseren Auftritt als zweite Gruppe des Abends eröffneten, wie würden die Mexikaner auf unsere Musik reagieren ?

Bei der ersten Gruppe (keine Ahnung wie sie hieß, ich weiß nur noch, daß sie aus Argentinien stammte), zeigte sich auch die Kompromißlosigkeit des mexikanischen Publikums, denn nachdem diese nicht sofort nach Betreten der Bühne anfingen zu spielen, bekundete das Publikum bereits ihren Unmut durch Pfiffe und Buhrufe.

Bereits nach den ersten Tönen war klar, es wird ein schöner Abend. Den Rahmen, den das Publikum bot, war mehr als mitreißend, irgendwie spielte man wie in einem Rausch (obwohl wir alle, wie immer bei Konzerten, nüchtern waren!!)

Bekannte Titel wie "Die Brut", "Märchenprinzen" oder "Marionetten" wurden ebenso gefeiert wie die neuen Titel "Mensch sein", "Eissturm" oder "Nichts bleibt wie es war". Bei "Sitz der Gnade" zerlegte das Publikum mein Hemd in 5430 Stoff-Fetzen unterschiedlichster Größe, die ich nach dem Konzert auch alle unterschreiben durfte. Susanne bekam bei jedem Geigensolo Szenenapplaus und jeder von GOETHES ERBEN genoß 45 Minuten lang ein atemberaubendes Ereignis.

Nach einer Zugabe verließen wir überglücklich und auf Grund der ungewohnt dünnen Luft, völlig am Ende die Bühne und konnten das zurückliegende Geschehene auf der Bühne erst einmal gar nicht fassen. Alle Strapazen und jegliche Müdigkeit waren verflogen, es war einfach zu schön.

Auch wenn wir von den anderen Auftritten (CATASTROPHE BALLET, TRISTANIA und DAS ICH) auf Grund Autogramme schreibens und Fotosessions nicht viel sahen, und wir von Mexiko nichts weiter als das Hotel, ein Restaurant, einen Touristenmarkt und den Flughafen sahen, freuen wir uns schon darauf im kommenden Jahr erneut einen GOETHES ERBEN Betriebsausflug nach Mexico-City zu starten.

Vielleicht sehen wir dann ein wenig mehr vom Land, Menschen haben wir eine Vielzahl kennen und schätzen gelernt.
Viva Mexiko! - Doch wir freuen uns auch wieder auf Europa und unsere Konzerte in Deutschland, denn jedes Publikum hat seine Faszination und jedes Konzert, egal wo, ist ein einmaliges Erlebnis, das nur in der Erinnerung derer weiterlebt, die bei diesem Ereignis anwesenden waren. Ein Stück wie "Abseits des Lichtes" könnte ich mir kaum in Mexiko vorstellen, aber vielleicht irre ich mich da auch gewaltig.

Oswald Henke

Und hier gibt es einen weiteren weiteren Bericht aus der Bayreuther Tagespresse...

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